Demonstration in Suderwich: Geresu-Schüler setzen Zeichen gegen Rassismus

Schülerinnen und Schüler der Geresu gingen auf die Straße. Am 21. März 2018, dem Welttag gegen Rassismus, wollten Jugendliche des 6., 10. und 11. Jahrgangs ein deutlich sichtbares Zeichen setzen gegen Rassismus, Vorurteile und Ausgrenzung. Mit meterbreiten Transparenten zogen über hundert Schülerinnen und Schüler eine Stunde lang durch den Ortsteil Recklinghausen Suderwich und skandierten laut ihr Anliegen „Frieden“ und „Stoppt Rassismus“. Zuvor hatten sie sich in der Aula zu einer Kundgebung versammelt, um sich mit Texten und Musik auf das Thema einzustimmen. Matthias Flüß, Lehrer und Organisator der Aktion, ermutigte die Heranwachsenden Haltung zu zeigen und mutig einzugreifen, wenn Menschenrechte im Großen und im Kleinen missachtet werden. „Es geht darum, dass jeder Mensch den gleichen Wert hat. Diese Haltung ist nicht selbstverständlich.“ Beyza Kurubas aus dem Jahrgang 11 trug ein bewegendes Gedicht zum Thema Flucht und Krieg vor, welches sie gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Jasmin Kortak verfasst hatte. (siehe unten). Den musikalischen Rahmen setzte Felix Sievert aus dem 6. Jahrgang mit seinem beachtlichen Talent an der E-Gitarre.
Die Idee zu der Demonstration war im Gesellschaftslehre Unterricht der Klasse 6b entstanden. Die Schülerinnen und Schüler der 6b waren sich einig, dass Gleichwertigkeit eines der höchsten Werte unserer Schule sein muss. „Wir müssen dafür streiken“, formulierte Fabienne Sievers, eine Schülerin der Klasse. Klassenlehrer Matthias Flüß griff die Idee gerne auf, überzeugte die Schulleitung von dem Anliegen und übernahm die Organisation eines Friedensmarsches durch den Stadtteil.

 

Das Leben, was sich jeder wünscht

Von Jasmin Kortak und Beyza Kurubas (Jg. 11)

Es ist dunkel
Nacht.
Was mich weckt ist Krach, Krach der von Draußen erklingt.
Ich weiß nicht genau was oder wie, aber trotzdem oder genau deswegen
für ein Moment ein Spalt breit in meinem Traum
Die Menschen wieder lachen sehen. Und das unglaublich starke Lachen meiner Mutter hören und die einzigartigen Augen meines Vaters sehen.
Familie. Verwandte, Freunde und Bekannte
Wie das Gesicht der Menschen ihr einzigartiges Lachen ziert.
Für nur ein Moment ohne Angst ohne Trauer ohne Schmerz ohne Leid
Ein letztes Mal meine Familie sehen, meiner Liebe begegnen

Nur noch einmal an die Heimat denken.
lch würde gerne Heimweh sagen. Doch wenn ich jetzt Heimweh sage, sage ich Traum.
Es ist dunkel, so dunkel dass ich nichts sehe.
Und wie endet jeder Traum?
Genau, mit der Realität.

Vor mir der Krieg.
Vor mir der Verlust.
Keine Menschlichkeit
Kein Verstand!
Tagtäglich mit Angst zu leben
„kennen wir gar nicht“

Trotz alldem oder gerade deswegen für nur einen Moment ein Spalt breit in meinem Traum…
Ohne Angst ohne Trauer
ohne Schmerz ohne Leid
Die Welt liegt in Trümmern
WIR sollten uns mal kümmern!
Kaum einer begeistert,
werden Vorschläge verweigert
Kaum einer kümmert sich bei der Ausrede „ist ja eh nicht unser Land“
die Zeit will vergessen werden
trotz alldem oder gerade deswegen für nur ein Moment die Augen schließen nur einen Moment ein Spalt breit in mein Traum…
Ohne Angst ohne Trauer
ohne Schmerz ohne Leid.
Verlassenes Land
verlassene Heimat.

Leben in Vorstellungen von anderen
die Menschen sind da
aber das Leben vergangen.
Diese Welt trägt fast nur noch Narben
seht ihr nicht! Die Welt verliert Farben!
Von Menschlichkeit keine Sicht
Die Priorität des Menschlichen Lebens verloren.
Der Natürliche Lauf der Welt gehört zur Vergangenheit.
Gerade deswegen, für ein Moment die Augen schließen nur ein Moment ein Spalt breit in mein Traum