Balu und Du – Ein pädagogisches Projekt unter Corona-Bedingungen

Seit vielen Jahren begleiten Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe ein Jahr lang Kinder der benachbarten Grundschule in ihrem Alltag. „Balu und du“ heißt der Projektkurs, in dessen Rahmen junge Erwachsene (Balu) einen Teil ihrer Freizeit mit einem Grundschulkind (Mogli) verbringen. Spielerich unterstützen sie die kleinen Schützlinge dabei, die Herausforderungen des Alltags erfolgreich zu meistern. Doch wie hält man Kontakt untereinander, wenn die Corona-Pandemie zu einem persönlichen Kontaktverbot führt? Dieser kreativen Herausforderung mussten sich die angehenden Abiturienten in diesem Jahr stellen. An die Stelle der persönlichen Begegnung traten nun Video-Chats, lange Telefongespräche oder echte Briefe. Die jungen Erwachsenen entwickelten viele Ideen, wie sie auch unter den erschwerten Bedingungen erfolgreich pädagogisch arbeiten konnten. Ein besonderer Dank geht an die Firma Porsche in Recklinghausen, die auch in diesem Schuljahr das Projekt wieder finanziell unterstützt hat. Einige Ergebnisse dokumentieren wir hier.

Wie man auch unter Corona-Bedingungen ein guter "Balu" sein kann, zeigt Jacqueline in ihrem Video.

Podcast “Balu und du” im Corona-Jahr

 

Balu und Du – Trotz Corona und Distanz?

Erfahrungsbericht von Lara Schiffgen

Die Antwort lautet, Ja! Auch wenn Balu und Du 2020/2021 komplett anders war als die anderen Jahre. Wir, die Balus in diesem Schuljahr, hatten es dadurch deutlich schwieriger als die Balus der letzten Jahre, aber auch für unsere Moglis war es deutlich schwieriger. Als wir unseren Mogli mit einem verspäteten Start kennengelernt haben schien es noch so, dass wir uns mit den Kindern persönlich treffen können und somit eine gute Bindung zu unserem Mogli aufbauen können, doch schon nach einer Woche hieß es, dass wir uns aufgrund von Corona nicht mehr mit unserem Mogli treffen dürfen. Wir haben uns direkt gefragt, wie wir denn eine gute Bindung mit dem Mogli aufbauen sollen, wenn wir uns nicht persönlich sehen dürfen und noch viel schwieriger war es für mich L., meine 10 Jahre alte Mogli, zu erklären, dass wir uns nicht mehr sehen dürfen. Ich bin extra noch einmal persönlich zu L. gefahren, um ihr mit viel Abstand, für uns besser gesagt zu viel Abstand, zu erklären, dass wir uns nun erstmal nicht mehr treffen können. Larissa hat es zum Glück besser aufgenommen als ich dachte, denn sie wusste schon viel über Corona und über die Folgen von Corona. Für uns, die Balus, stellte sich nun die Frage: „Wie halten wir den Kontakt beziehungsweise, wie bauen wir eine Bindung mit Distanz und ohne persönlichen Kontakt auf?“ Zu Beginn hatten wir noch viele Ideen, wie Briefe schreiben, telefonieren, texten und ähnliches, doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es immer schwieriger wurde, den Kontakt mit ihr zu halten, da einfach der persönliche Kontakt und das persönliche Sehen fehlt. Ich denke dies hat zum Einen damit zu tun, dass Larissa noch sehr jung ist und Kontakt durch persönliche Treffen aufbaut und zum Anderen, dass wir nur ein persönliches Treffen hatten und somit noch keine richtige Bindung aufgebauten konnten. Die anderen Balus waren oftmals eine große Unterstützung, da sie mir neue Ideen gegeben haben und sie dieselben Probleme wie ich und Larissa hatten. Auch ihnen fiel es immer schwieriger den Kontakt zu halten. Ich habe meinem Mogli ein Päckchen zu Nikolaus geschickt, um ihr zu zeigen, dass ich an sie denke und ich sie auch kenne, denn ich habe das Geschenk an ihre Interessen an Puppen und an Lego orientiert. Außerdem habe ich ihr ein Mandala-Buch zusammengestellt, weil sie mir erzählt hat, dass sie gerne malt. Deutlich aufgefallen ist mir auch, dass sie und ich am Telefon oft nicht wussten worüber wir noch reden sollen, aber als wir angefangen haben per Videoanruf zu telefonieren wurde unsere Beziehung direkt besser, weil wir uns sehen konnten und man das Gefühl hatte, mit jemanden richtig interagieren zu können. Ich denke, dass sie und ich trotz Corona eine gute Bindung aufgebaut haben, auch wenn dies vielleicht länger gedauert hat, als wenn wir uns hätten persönlich sehen können. Dennoch haben wir es geschafft uns richtig kennenzulernen und sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich möchte den Kontakt zu ihr definitiv aufrechterhalten. Womöglich hat Corona das Projekt Balu und Du erschwert, dennoch hat es mein Jahr Balu und Du zu etwas Besonderem gemacht, denn im Leben kommt nicht immer alles so, wie man es gerne hätte.

Bericht von Fatma

Hallo, mein Name ist Fatma Özdemir und ich nehme im Jahr 2020/21 am Projektkurs Balu und Du teil. Mit diesem Text möchte ich Euch einen kleinen Einblick in den Projektkurs geben und Euch erläutern wie das Projekt auch während der Pandemie weitergeführt werden kann, auch wenn es dabei Höhen und Tiefen gibt. Mein Mogli heißt Fabienne und ist in der 4. Klasse. Den Kontakt mit ihr zu halten, wurde im Laufe der Zeit immer schwieriger. Zu Beginn, beim ersten gemeinsamen Treffen haben mein Mogli und ich uns besser kennengelernt. Dabei ist mir direkt aufgefallen, was ihre Stärken und Schwächen sind. Diese wollten wir in den darauffolgenden Treffen gemeinsam fördern und verbessern. Dabei bin ich wie folgt vorgegangen: Eine Schwäche, welche mir aufgefallen ist, war beispielsweise, dass mein Mogli nicht zufrieden mit Ihrer Leistung im Deutsch-Unterricht war. Daraufhin habe ich mir überlegt, meinen Mogli dazu zu motivieren, ihre Leistung im Deutsch-Unterricht zu verbessern, indem wir als Belohnung die neue Kinderwelt besuchen. Jedoch konnten wir diese Überlegung nicht durchführen, da es zum Kontaktabbruch kam. Dadurch, dass die Treffen mit den Moglis aufgrund der Ansteckungsgefahr untersagt wurden, brach auch der Kontakt zu meinem Mogli ab. Die Kommunikation konnte nämlich nur Online stattfinden. Da mein Mogli kein Handy besitzt, musste ich sie durch ihre Eltern erreichen, jedoch ohne Erfolg. Dadurch, dass ich meinen Mogli nicht erreichen konnte, habe ich mich dann dazu entschieden, ihr Briefe zu schreiben. Diese Briefe haben Rätsel und Mandalas beinhaltet, die auf ihre Interessen angepasst waren, welche mir beim ersten gemeinsamen Treffen aufgefallen sind. Die Briefe habe ich meistens eigenständig in ihren Briefkasten gelegt und nicht per Post verschickt, da ich dachte, dass ich ihr so eventuell begegnen und somit erneut in Kontakt treten könnte, jedoch war dies ebenfalls ohne Erfolg. Außerdem habe ich versucht den Kontakt mit meinem Mogli wieder aufzubauen, indem ich in die Briefe, welche ich ihr geschrieben habe, beispielsweise meine Nummer mit reingeschrieben habe oder sogar einen beschrifteten Briefumschlag mit einer Briefmarke beigelegt habe, damit sie mir mit einem Brief zurück antworten kann. Wie genau sie mir diesen Brief zuschicken kann, habe ich dann ebenfalls in dem Brief erklärt. Einige Wochen später hat sich jedoch alles zum Guten gewendet, ich konnte den Kontakt mit meinem Mogli erneut aufbauen. Dadurch, dass mein Mogli das alte Handy ihrer Mutter bekommen hat, konnten wir wieder in Kontakt treten. Zurzeit sind wir täglich im Kontakt mit meinem Mogli und holen alles, was wir zuvor verpasst haben, online nach. Trotz dessen, dass so viele Probleme während des Projektkurses zustande gekommen sind, bin ich froh nun den Kontakt mit meinem Mogli aufrechterhalten zu können.

Bericht von Susan Sarisoy

Happy Bear Balu singt in Disneys Geschichte “The Jungle Book” “Probier’s mal mit Ge- mütlichkeit” und kümmert sich um den kleinen Mogli. Dies ist die Idee hinter dem natio- nalen Leitplan “Balu und Du”. Junge engagierte Menschen haben sich freiwillig gemel- det, um ein Kind für mehr als ein Jahr zu unterstützen. Sie helfen ihm durch persönlichen Kontakt und aktive Freizeitaktivitäten und zeigen, wie man die Herausforderungen des täglichen Lebens durch die gemeinsame Zeit erfolgreich bewältigen kann.

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name lautet Susan Sarisoy und ich besuche zurzeit die 13. Klasse der Gesamtschule Su- derwich. Mein Mogli heißt Paula und besucht zurzeit die 4. Klasse. In diesem Jahr gab es einige Schwierigkeiten, die der Projektkurs bewältigen musste. Begonnen hat es mit der Pandemie letzten Jahres, denn durch diese schwierige Lage durften wir Balus mit den Moglis nichts ge- meinsames unternehmen. Aufgrund dessen wurde es schwieriger eine soziale Bindung mit dem Mogli aufzubauen. Doch bei mir und Paula war dies nicht der Fall, denn wir haben in der Woche eine halbe bis zu eine Stunde telefoniert, um somit das Vertrauen aufzubauen. In diesen Telefonaten haben wir Fragerunden und vieles mehr eröffnet, somit konnten wir uns besser kennenlernen und eine Bindung aufbauen. Doch natürlich sind mir bei diesen gemeinsamen Telefonaten pädagogische Aspekte aufgefallen, wie zum Beispiel Wörter die sie im jungen Alter nicht im Wortschatz haben sollte. Dementsprechend habe ich sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie solche Begriffe nicht nutzen sollte. Es ist selbstverständlich, dass Kinder viele Wörter von anderen Kindern oder Jugendlichen aufschnappen ohne zu wissen, was diese bedeuten. Daher habe ich sie gefragt, ob sie weiß, was die Wörter bedeuten.Infolgedessen ist mir wäh- rend den nächsten Telefonaten aufgefallen, dass sie aufgehört hat diese Wörter zu benutzen, was mich natürlich sehr gefreut hat. Außerdem finde ich es erwähnenswert, dass ich unser Verhältnis sehr schätze, da sie mir bei den Telefonaten vieles anvertraut hat und sich auch öff- nete, dadurch habe ich sie ins Herz geschlossen. Abschließend möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben, dass der Projektkurs Balu und Du trotz der Pandemie weitergeführt werden kann, solange man seine Ziele vor Augen hat.

Bericht von Jonas Janmieling

Die Corona Pandemie raubte so manchen Nerv, doch wie wirkte sie sich auf den Projektkurs Balu und Du aus? War der Kontakt überhaupt möglich und wie waren die Corona Schutzmaßnahmen?
Zu Beginn des Kurses waren Treffen mit den Moglis möglich. Ich verabredete mich mit meinem Mogli und fuhr mit dem Fahrrad zu einem nahe gelegenen Spielplatz. Wir merkten schnell, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten und es machte wirklich Spaß mit ihm herumzualbern. Als sich dann aufgrund erhöhter Infektionszahlen die Maßnahmen verschärften, trafen wir uns nur noch per Videochat. Es war am Anfang ungewohnt, doch von Mal zu Mal wurde es besser und besser. Wir redeten viel und erzählten uns gegenseitig von Erlebnissen und Ereignissen. Als erste Lockerungen bekannt wurden, hofften wir auf ein gemeinsames Wiedersehen auf dem Spielplatz, doch das war vergebens. Auch wenn es uns beide deprimierte, griffen wir zur Alternative dem Telefonat zurück. Zu Weihnachten wollte ich ihm nicht nur ein Geschenk geben, sondern ich wollte ihm auch etwas Hoffnung schenken. Ich sagte ihm, er solle schon mal überlegen, was wir denn alles gemeinsam nachholen wollen, sobald es wieder bessere Zeiten gäbe. Sein verschämtes Lächeln sprach mehr als tausend Worte, vom Schwimmen im Maritimo bis hin zur gemeinsamen Fahrradtour zum Spielplatz, all diese Ideen schossen ihm direkt in den Kopf. Bis es so weit aber ist, vertrieben wir uns weiter die Zeit mit Video Chats und Telefonaten. Einmal haben wir uns sogar zufällig im Schnee auf der Halde Hoheward getroffen. Es tat gut, ihn hinter seiner Maske lächeln zu sehen. Wir beide wechselten einige Worte und Telefonierten noch am selben Abend.
Auch wenn es meist zermürbend war, sich nur über die Medien zu sehen, war es dennoch besser als nichts. Es spendete uns beiden Trost und gab uns Halt durch diese schwere Zeit. Mein Mogli ist mir sehr ans Herz gewachsen und ist schon wie ein kleiner Bruder für mich. Sobald die Umstände es zulassen, werde ich auf jeden Fall einige seiner Ideen umsetzen, selbst wenn der Projektkurs zu Ende ist, da ich es ihm schuldig bin und weil es mit ihm immer was zu Lachen gibt.

Balu und Du trotz Corona – Meine Erfahrungen

Bericht von Lara Winhauer

Lamar, mein Mogli, hat es Zuhause, durch ihre vielen Geschwister, nicht immer einfach. Umso mehr freut es mich, dass ich ihr einen Zufluchtsort bieten konnte, an dem die Aufmerksamkeit ausnahmsweise nur ihr gehörte. Nach einem verspäteten Start durch Corona haben wir zusammen gebacken, gespielt, ganz viel miteinander geredet und sie hat zum ersten Mal Eiswürfel gesehen. Außerdem haben wir es gemeinsam geschafft ihre Angst vor Hunden zu überwinden, als sie zu mir kam zum Backen. Sie war zunächst total nervös und hatte echt Angst vor unseren Hunden, doch dann sind wir gemeinsam nochmal zu ihnen gegangen und sie hat sich ihre Hand beschnüffeln lassen. Am Ende des Nachmittags wollte sie dann gar nicht mehr gehen, weil sie mit den Hunden herumgetobt hat. Sie fragt jedes Mal wenn wir telefonieren wie es den Hunden geht und sie hat sogar ein Bild von ihnen gemalt. Doch dann kamen leider die Kontaktverbote durch Corona und wir durften uns nicht mehr treffen, was uns beide sehr traurig gemacht hat.
Trotzdem haben wir es geschafft den Kontakt zu halten und sie freut sich über jeden Brief den sie von mir bekommt und ich freue mich über jede Antwort die mich erreicht.
Mein Mogli ist total höflich und sehr klug. Es war allerdings auffällig, dass sie beim Überqueren der Straßen nicht sehr achtsam war. Doch auch daran haben wir gearbeitet und sie hat sehr schnell begriffen, dass sie vorsichtiger sein muss. Wir hatten also nicht nur Spaß bei unseren Treffen, sondern ich konnte ihr sogar etwas sehr Wichtiges beibringen.
Ich bin mir sicher, dass wir uns auch zukünftig super verstehen und den Kontakt halten werden.